Home

Zurück zur Übersicht
Konfirmationsrede 1819
   
   
   

Friedrich Konrad Krüger von 1807 bis 1826 12. Pastor in Wüsten

Gedenktafel für Pastor Krüger an der Kirche zu Langenholzhausen.

"DIES IST MEIN AUFTRAG BIS ZUM STERBEN:
SEELEN FÜR DAS LAMM ZU WERBEN!"
FRIEDRICH KONRAD KRÜGER
VORLÄUFER DER ERWECKUNGSBEWEGUNG
IN LIPPE
GEB. 16. 10. 1772 IN DETMOLD
1801-1807 PASTOR IN DETMOLD
1807-1826 PASTOR IN WÜSTEN
1826-1834 PASTOR IN LANGENHOLZHAUSEN
GEST. 27. 1. 1834. BEERDIGT
IN LANGENHOLZHAUSEN
ZWISCHEN KIRCHEN- UND SCHULGEBÄUDE
HEBRÄER 13. 7

 

Titelseite der "von Friedrich Conrad Krüger Pastor zu Wüsten bei Salzuflen im Lippischen" 1822 neu herausgegebenen Schrift:
"Die Deutsche Theologie".

 

Titelseite eines Buches, das Pastor Friedrich Conrad Krüger 1825 während seiner Wüstener Amtszeit geschrieben hat.

 

Friedrich Konrad Krüger wurde am 16. Oktober 1772 im Falkenkrug in der Nähe von Detmold  geboren. 1796 wurde er Landeskandidat, darauf Rektor der reformierten Schule in Bielefeld, 1800 Vikar in Wöbbel, von wo er 1801 die 3. Pfarrstelle in Detmold bekam. Im Jahre 1807 wurde er - wohl auch auf Veranlassung der Fürstin Pauline - nach Wüsten berufen. Ende März trat er die Pfarrstelle an.

Ein schweres Erbe erwartete ihn. Wüsten stand im Ruf einer verwilderten Gemeinde. War doch sein Vorgänger von seiner Frau geschieden und wegen Dipsomanie entlassen. Wie konnte die Gemeinde besser sein als ihr Pastor. Von November 1805 bis Ostern 1807 verwaltete der Kandidat Johann Anton Steneberg aus Lage vorübergehend die Wüstener Gemeinde. Am Ostermontag, dem 30. März 1807, war die erste Predigt von Pastor Krüger in Wüsten, verbunden war sie mit einer Taufe und am 5. April war seine erste Trauung in der Wüstener Kirche.

Das Bild, das wir uns von ihm machen können, gründet sich im wesent-lichen darauf, was Zeitgenossen und Spätere über ihn geschrieben haben. August Dreves, Pastor in Hohenhausen, schreibt in seiner "Geschichte ... der Geistlichen des Lippischen Landes" von 1881: "Hier [in Wüsten] hat er ungemein segensreich gewirkt. Die Gemeinde hat ihn noch heute in dankbarem Andenken als Pfarrer und Förderer christlichen Lebens in ihr. Mit seiner Fürstin und Landesherrin führte er eine eifrige Correspondenz."

In "Die Geschichte der Lippischen Landeskirche", die 1926 von Wilhelm Butterweck, Pastor in Schötmar, erschienen ist, lesen wir: "... was er in treuer Arbeit in Wüsten gesäet, ging nach seinem Fortgang in Herrlichkeit auf. Wüsten wurde der Feuerherd, von dem die Funken in alle Richtungen sprühten. [gemeint ist hiermit, die sich nach Pastor Krüger bildende Erweckungsbewegung]."

Gustav Meyer, von 1851 bis 1860 Pastor in Wüsten, schreibt in seinem Buch über Jobstharde, mit dem er befreundet war: "...einen ausgezeichneten Konfirmandenunterricht empfing er von dem damaligen Pastor Krüger, welcher ... ein ungemein kräftiger Zeuge des Evangeliums war. ... Von Pastor Krüger hat er [Jobstharde] bis an sein Lebensende immer nur mit großer Ehrerbietung geredet, namentlich seine mächtige Gebetsgabe oft gerühmt."

Seine tiefe Frömmigkeit spiegelt sich auch in seinen herausgegebenen Büchern wieder. In seiner Wüstener Amtszeit erschienen drei davon. 1820 veröffentlichte er die Schrift: "Betrachtungen über einige Wunder unseres Herrn, zur Erweckung und Belebung des christlichen Glaubens und Thuns." 1822 erschien "Die Deutsche Theologie, eine sehr alte, für jeden Christen äußerst wichtige Schrift ..." und 1925 "Der betende Hohepriester Jesus Christus, oder Betrachtungen über Joh. 17."  Sein viertes Buch "Christliches Gebetbuch zum häuslichen Gebrauche" erschien in einer zweiten Auflage 1830 zu seiner Langenholzhausener Amtszeit. Vermutlich wird er diese Schrift auch schon  während seiner  Wüstener Zeit verfasst haben.

Pastor Krüger hat sporadisch in den Wüstener Kirchenbüchern Gescheh-nisse festgehalten. Er schrieb über alltägliches und was die Bürger zur damaligen Zeit bewegte: "Zwischen Ostern und Pfingsten des Jahres 1809 zog der Schullehrer Freitag von Kaspars Hofe auf das zur Schule angekaufte Henrich Zurheidensche Colonat Nro. [38] in Oberwüsten und hielt d. 24ten Juni zuerst Schule in der an der linken Seite des Hauses eingerichteten Schulstube." Oder: "1756 18. Februar war Erdbeben auch hier im Lande darüber ein Buß Bettag d. 3ten Merz angestellt worden." Und: "1726 Ein dürrer Sommer viele Fliegen, und rothe Ruhr." Er schrieb aber auch zur großen Politik: "Am 30ten Maj 1814 wurde zu Paris zwischen Ludwig XVIII und Georg III von England, Franz I von Oestreich, Alexander I, den Gesegneten von Russland, Friedrich Wilhelm III von Preußen und deren sämtlichen Alliierten endlich Frieden geschlossen. Der unüberwindlich geglaubte Napoleon Bonaparte war überwunden, seiner angemaßten Kaiserwürde beraubt und kam als Herzog nach der Insel Elba, um über seine vielen Greuelthaten nachzudenken." u.v.a.m.

In der Zeit, als er Rektor der reformierten Schule in Bielefeld  war, lernte er seine spätere Frau Ferdinandine Henriette Haffbauer kennen. In Wüsten wurden ihnen drei Kinder geboren. Wilhelmine Friederike Auguste (11. Juli 1809), Ferdinand Henrich (28. März 1812) und Louise Conradine Henriette (29. Oktober 1814).

Im Jahre 1826 wurde er nach Langenholzhausen berufen, wo er noch sieben Jahre segensreich tätig war. Dort starb er am 27. Januar 1834.  

Sein Nachfolger in Wüsten war Pastor Ludwig Volkhausen. Er predigte im Sinne des Konsistoriums völlig rationalistisch. Das führte dazu, dass viele Wüstener sonntäglich den weiten Weg auf sich nahmen, um in Langenholz-hausen 'ihren Pastor' zu hören.

"Wie unsicher es noch um 1821 in Wüsten war, erhellt aus der Tatsache, daß der Küster Knöner, der in dem Rufe der Wohlhabenheit stand, seine Wohnung gegen Räuber aus Herford und Umgegend befestigen mußte. Krüger schrieb damals: "Wir sind hier jederzeit in Gefahr, vom Lande überfallen zu werden." zitiert ihn Pastor Butterweck in seiner Kirchenge-schichte.

Titelseite des Gebetbuches, das Pastor Friedrich Conrad Krüger wahrscheinlich noch in seiner Wüstener Zeit verfaßt hat und das 1830 in seiner Langenholzhausener Zeit in zweiter Auflage erschienen ist.

 

Quellen: Dank an Frau Bettina Hanke-Postma, Bibliotheksleiterin in der Lippischen Landeskirche in Detmold, die die Kopien der Buchtitel zur Verfügung stellte.  
  Butterweck, Wilhelm, Pastor in Schötmar: Die Geschichte der Lippischen Landeskirche. Verlag Fritz Dröge, Schötmar, 1926. Hier besonders die Kirchegemeinde in Wüsten mit ihren Pastoren.  
  Dreves, August: Geschichte der Kirchen, Pfarren, geistlichen Stiftungen und Geistlichen des Lippischen Landes. Lemgo, Druck und Verlag von F. L. Wagner, 1881.  
  Meyer, Gustav, Pastor: Jobstharde. Der Vater des christlichen Lebens im Lipperlande. ... aufs neue herausgegeben von Prof. D. Wilhelm Neuser, Landessuperintendenten in Detmold. 1956.