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Der Hof Meier-Johann in Hellerhausen - Unterwüsten Nr. 4
Die Geschichte des Hofes

Der Hof Meier-Johann vor dem Brand im Jahre 1969.

Hof Meier-Johann in Hellerhausen, Unterwüsten Nr. 4. Heute Frau Dr. Siefert, Hellerhausen Nr. 5

Die Gegend um Hellerhausen - genauer: zwischen Waldemeine und Hellerhausen - ist seit urdenklichen Zeiten bewohnt. Leo Nebelsiek, der Landespfleger für Vorgeschichte, hat 1935 bei seinen Ausgrabungen auf dem Acker des Meierhofes, ein Hünengrab durchforscht, dessen Entstehung auf 3000 vor Chr. datiert wird. Die Ausgrabungen auf dem Flurstück Hühnerbrink (ein paar Meter südwestlich des Kreisels Loose - Wüsten - Waldemeine - Glimke) ebenfalls auf dem Besitz des Meierhofes, brachten auch Reste einer Siedlung aus der Cheruskerzeit ans Tageslicht. Der Bodendenkmalpfleger des Lippischen Landesmuseums Dr. Helmut Luley hat mit einigen ehrenamtlichen Mitarbeitern die Ausgrabungen 1993 bei den Bauarbeiten der K 34 fortgesetzt und weitere sensationelle Funde gemacht.

Unter Otto I., der Große, (936-973) nahmen die jüngeren Billunger, ein sächsisches Adelsgeschlecht zwischen Elbe und Oberweser, eine hervorragende Stellung ein. Sie besaßen eine große Anzahl an privaten Gütern beiderseits der Weser. Hierzu gehörten auch die Höfe Hellerhausen, Brokhof, Harspedelen, Osterpedelen, Boberg und Voßhagen. Einen Teil des Billungischen Familiengutes hatte Frau Godesdiu geerbt, die eine Enkelin Hermann Billungs und seit 1002 Äbtissin des hochadeligen Damenstiftes am Münster zu Herford war. Sie gründete das Tochterstift St. Marien auf dem Berge vor Herford (Stift Berg) und schenkte ihm als Erstausstattung am 13. Juni 1011 aus ihrem Erbe 64 einzelne Güter, unter denen auch der Meierhof Hedereshusen genannt wird.

Durch die Schenkung Godesdius war der Hof ein zinspflichtiges Lehnsgut der Herforder Abtei geworden. Dem Meier stand zwar das erbliche Nutzungsrecht zu, doch hatte er bei der Übernahme des Hofes in aller Form die Äbtissin als Lehnsherrin anzuerkennen, indem er als "Weinkauf" das beste Pferd seines Vorgängers ("Besthaupt") mit Sattelzeug und voller Kriegsausrüstung ("Heergewedde") an das Stift lieferte. Auch musste er an bestimmten Lehnstagen im Saal der Äbtissin erscheinen und über dem Reliquienschrein geloben, "dat ich sente Marien, sente Pusinnen, meyner vrowen ebbedissen, de hir yeghenwordich is, unde derne stichte (Stift) van Hervorde also truwe unde also holt sy, also van rechte eyn denstman wesen scal syner herscap; dat my god so helpe unde syne hilghen."

Die Abgaben an die Herforder Abtei lieferte der Meierhof Hellerhausen mit 29 anderen lehnsrührigen Höfen aus dem Umkreise an den Amtmeier auf Selingwörden, der in den heute noch als Gruben erkennbaren Kellerspeichern die Vorräte sammelte und dann nach Herford schaffte

In der ältesten Heberolle aus dem 12. Jhh. wird festgesetzt, daß von der "curia in Hetherehusun" jährlich 27 Scheffel  Braugerste (1 Schff. rd. 1 Zentner), 5 Schff. Hafer, 1 Schaf und 3 Fuder Holz zu liefern waren.

Als Hofinhaber werden uns der Reihe nach genannt: Machorius, dann Menfrith von Hetherhusen, später Bartholdus Meier von Hederhusen und 1337 auch ein "Herr Johannes von Hetherhusen auf dem Hofe wo vordem der sogenannte Machorius saß". Dieser Johannes wurde der Vorfahre aller späteren Meier-Johann.

In den folgenden Jahrhunderten wird in alten Urkunden der Hof in Hedderhausen immer wieder genannt:
1412 Hugo von Exterde erhält zum Lehen den Hof in Hetherhusen
1474 die Tochter des Johan von Exterde (1431-1474), Lise, bringt ihrem Gemahl Hermann Waltmann den großen Nachlass ihres Vaters, darunter den Hof in Hellerhausen zu.
1494 Der Knappe Johan von Exter erhält zum Lehen für sich, seine Mutter und einem Bruder viele Güter in Exter, Schwabedissen, Sütmersen, Brüntorf, auch den Meierhof Hellerhausen, daselbst 2 Häuser und eine Mühle
1496 Der mächtige Erasmus van der Lyppe, Ehemann der Agnes von  Exterde, Schwiegersohn Simons von Exterde erhält zum Lehen den Brockhof, die Brockmühle (Maise u. Hagenmühle), der Hof Schwavedissen, den Hof und zwei Häuser zu Hedderhausen, die Mühle zu Hedderhs. (Sparbrodts Mühle in Glymke) u. v. a. m.
Anno 1622 hat Johan Meyer Castien und der Rasche wegen sener dochter den Weinkauf uff Meyercastiens Hoff gedingelt auf fünf und sechzig Thaler.
31. Juli 1663: Kaufvertrag zwischen Simon Moritz von Donop, Kaiserl. Oberst und Kriegsrat, lipp. Landdrost und Erbgesessener zu Wöbbel wg. des „meierstättischen Besitzes“ beim Meier Johan und dem Eigentumsbesitz beim Tieß, beide zu Hedderhausen.
6. Oktober 1663: Der obige Vertrag wird gutgeheißen von den Rottmeistern der Salzufler Bürgerschaft. (Jedes Stadtviertel hatte seinen Rottm.) Im Text des Vertrages wird als zeitiger Inhaber des Meierhofes angegeben: der Schwiegersohn des alten Meiers Johan, Franz Bartold.

Es ist interessant, daß 1494 außer dem Haupthof bereits zwei weitere Hofstellen und die Mühle an der Glimbke genannt werden. Aus diesen beiden Kötterhäusern sind später vermutlich die Höfe Deppe, Unterwüsten Nr. 14 (heute Sievert, Hellerhausen Nr. 3) und Sparbrodt, Unterwüsten Nr. 7 (heute Niedermeier, Hellerhausen Nr. 2) hervorgegangen.

Weitere frühe Hinweise über den Meier-Hof (früh Meier Hencke, später Meier Johann) in Hellerhausen finden sich in den Lippischen Landschatzregistern von 1535, 1545, 1562, 1572, 1590 und im Salbuch der Vogtei Schötmar von etwa 1616/17:

1535: Meiger Hencke 1 G. [Gulden].
1545: Meiger Hencke 1 Fl. [Florin = Gulden]
1562: Meiger Henncke 2 Fl.
1572: Meiger Henncke ½ Fl.
1590: Meierhencke 1 Fl.
1618: Meier Hencke 2 Fl. (und an anderer Stelle) NB. Meyer Johan, der von Vfflen Kätter –
1617: Meyer Henke ist frey. Gibt I.G. [Ihro Gnaden] 3 Höner. Dinet alle Wochen ein Tag ánach Herseñ. Gibt den von Saltzvffeln 9 Sack Hafern, 3 Sack Roggen, 2 Honer Pacht Dem Koster 1 Schfl. [Scheffel] Hafern, 1 Worst. Pastor 1 Worst. Hat zu 4 Mt. [Molt, Malter] Hafern das Land, zu 2 F [Fuder] Heu Wiesenwachs, zu 8 Schweinen Mastholz. áBurgfestgeld 1Rtl.[Reichstaler], Malzgeld 4½ Gr.[Groschen], Hofgerichtsschatz 3 Gr., drey Tage Burgfest.ñ (und an anderer Stelle) Heinrich Meierjohan ist frey. Gibt M.G.H. [Meinem gnädigen Herrn] Landschatz 3 Gr.; 1 Hun; Schuldegeld 30 Gr.; noch 4 Huner; Burgfestgeld 9 Gr.; Hofgerichtsschatz 3 Gosl.; drey Tage Burgfest; dient nicht. 

Einer der ältesten Grabsteine auf dem historischen Wüstener Friedhof ist der Stein der Familie Meier-Johann. Die Grabinschrift auf der Vorderseite:

"Anno 1694 den 22. Februa ist der ehrnachtbar Meyer Franstz zu Hellerhausen selig im He entschlaffen seines Alters 58 Jahr und Anno 1706 den 4. Mertz ist die ehr und tugendsame Frau Adelheit Meyers, Meyer Franstz nachgelassene Wittwe selig im Herre entschlaffe ihrs Alters 71 Jahr. Ano 1697 habe ich Meyer Johan meinen seligen Vatter diesen Stein zu letzter Ehren Gedätnis machen lassen"

Die Grabinschrift auf der Rückseite:

"Ich weis das mein Erlöser lebet und er wird mich hernach aus der Erde aufferwecken und werde darnach mit dieser meiner Haut umbgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen denselben werde Ich mir sehen meine Auge werden Ihn schauwe und kein Frembder"

Es scheint, als sei dieser Stein in späterer Zeit überholt worden zu sein. Dafür spricht die überaus klare Steinmetzarbeit, die modernere Schreibweise und, dass der Stein neun Jahre vor dem Tod der Mutter von ihrem Sohn errichtet worden ist.
Wichtig für den Ahnenforscher sind neben dem Ursprung dieses sehr frühen Grabsteins die darauf enthaltenen Daten. Die vor den frühen, lückenhaften Aufzeichnungen unserer Kirchenbücher liegen.

Wir wissen nicht sehr viel über diese Familie, die zum Ende des 17. Jh. auf dem Meierhof lebte. Nicht woher die Bäuerin stammte und nicht wie viele Geschwister der spätere Hoferbe hatte. Gleichwohl ist dieses Dokument der ältesten Familie in Wüsten auf dem alten Friedhof vor der Kirche eindrucksvoll und überragt die anderen erhalten gebliebenen Steine.

Der Sohn und Hoferbe hat nicht nur den Grabstein für seine Eltern herstellen lassen, er hat auch das älteste auf dem Hof stehende Gebäude errichtet.

Auf einem Balken, wohl früher über dem Eingangstor, steht die Inschrift: "Anno 1706 den 12. Junius Meierer Johan und Anna Lisabet Moler haben dis Haustz bawen lassen"
Der Baumeister war: "M. Berendt Prisnersz".
Die christliche Inschrift ist: "Alle die da gehen ein und aus der Herr behüte dieses Haus"
 

Die Leibzucht, das älteste erhaltene Gebäude auf dem Meier-Hof. Hier ein altes Foto. Heute ist das Haus sehr stilvoll renoviert und wird auch weiterhin bewohnt.

Über den Bauherrn ist in den Wüstener Kirchenbüchern  nachzulesen: "1701 den 15. November sind Frans Meier-Johann zu Hedderhausen und Anna Elisabeth Möllers copuliert [verheiratet] worden". Meier-Johann ist geboren etwa 1664, gestorben ist er mit 67 Jahren am 12. Juli 1731. Anna Elisabeth Möller ist geboren etwa 1676 und gestorben mit 65 Jahren am 21. November 1741. Sie war die Tochter des Hans Möller vom Voßhagen und der Cathrina Ilsabein geb. Köning.

Über den Tod von Frans Meier-Johann berichtet der Amtmann Anton Heinrich Küster in seinem Diarium Lippiacum: "Anno 1731 den 12. Julii ist Johannes Meyer von Hedderhausen zu Saltzufflen unglücklich ums [Leben] gekommen, da er auf seinen Wagen springen wollen und eine Spade [= Spaten] in der Hand gehabt, hat selbe ins Rad gefast, welche ihn herunter gezogen, und da er zur Erden gestürzt, ist ihm das Rad übern Halß gegangen und er auf der Stelle todt geblieben."

Das Haupthaus des Hofes Meier-Johann in Hellerhausen auf einer Postkarte aus den 1930er Jahren.

Das Haupthaus. Das Foto entstand in den 50er Jahren. Am 7. Juni 1969 ist es durch mit Streichhölzern spielende Kinder in Brand gesetzt und völlig abgebrannt.

Auch hier gibt die Torbogeninschrift über dem Deeleneingang des Haupthauses Auskunft über die Erbauer und das Alter des Gebäudes:
"Anno 1816 den 4ten Julius hat Friedrich Philip Spahbrodt und Anna Maria Loisa Meier Johans dieses Haus lassen bauen.
Salomon 24. Cap. Ver. 3. Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, durch Verstand erhalten, durch ordentlich Haushalten werden die Kammern vol aller köstlichen lieblichen Reichtümer." Auch der Baumeister hat sich mit "M.H.Prusnersz" verewigt.

Anna Marie Luise Johann Meiers, die Erbauerin des Hauses (* 2. September 1773) stammte aus der ersten Ehe von Johann Albert Meyer (Meyer Johann) mit Anna Ilsabein Rasche, aus Oberwüsten. Die drei weiteren Kinder aus dieser Ehe starben im frühen Alter. Sie war, da männliche Erben fehlten, nach lippischem Anerbenrecht, die Erbin des Hofes. Die vier Kinder aus der zweiten Ehe von Johan Albert Meyer mit Anna Ilsabein Meisen an der Salze, waren nicht erbberechtigt.

Sie verheiratete sich am 28. Juli 1799 mit Friderich Philip Sparbrod (* 4. Juli 1770). Er trug fortan in den Wüstener Kirchenbüchern den Namen Meier Johan. Der Torbalken trägt noch seinen Geburtsnamen "Spahbrodt".

 

Ein ebenfalls älteres Gebäude auf dem Hof Meier-Johann, mit aus Bruchsteinen gemauertem Untergeschoß, ist wohl neueren Datums. Eine Inschrift am Haus fehlt.

Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Sohn Friedrich Philip starb schon nach einem Jahr. Von Tocher Anna Maria Wilhelmine finden wir in den Kirchenbüchern nur den Geburts-, Tauf- und Konfirmationseintrag. Sie wird nach außerhalb geheiratet haben. Tochter Wilhelmine Louise (* 2. März 1804) heiratet am 30. Mai 1823 den Colon Unterwüsten Nr. 24 und Gastwirt vom Wüstener Krug Friedrich Schuckmann. Sie muß in Wüsten überaus beliebt gewesen sein. Wir finden sie unzählige Male als Patin bei Taufen. Der Sohn Friedrich Philipp Meyer Johann (* 15. Juni 1806) wird Hofbesitzer.

Er heiratet am 31. Juli 1835 Henriette Lisette Amalie Schalk. Aus dieser Ehe gehen sechs Kinder hervor. Zwei Knaben sterben schon im Kindesalter. Karoline Wilhelmine Henriette heiratet den "großen Halbmeier Schuckmann Unterwüsten Nr.2 geborener Albertsmeier von Unterwüsten Nr. 3". Wilhelmine Pauline Juliane heiratet wohl nach außerhalb. Ihre Spur verliert sich in den Wüstener Kirchenbüchern. Friedrich August Meier-Johann Erbe des Hofes wurde zum Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) eingezogen. Er fiel als Unteroffizier am 17. Oktober 1870 im Alter von 22 Jahren in der Nähe von Metz. Ein Brief von ihm an seinen jüngeren Bruder, mit einer Vorahnung seines frühen Todes, ist erhalten geblieben. Gustav Meier-Johann wird nun Hoferbe. Er heiratet am  7. November 1873 Anna Berta Drake vom Voßhagen, Oberwüsten Nr. 2. Ihnen werden zwei Töchter geboren.

Mitte Juli 1880 geschah ein Unglück. Gustav Meier-Johann war Gast im Sommerkrug, einem berüchtigten Gasthaus in Pehlen, gleich hinter dem Grenzstein auf preußischer Seite. Die Umstände sind nicht genau bekannt, aber es muss hoch her gegangen sein. In einem Streit wurde er von drei Valdorfer Handwerksburschen mit einem Messer durch Stichwunden so stark verletzt, dass er seinen Verletzungen erlag.
Es geschah in seinem 31. Lebensjahr.

Die Witwe Meier-Johann führte den Hof vorerst alleine weiter. Im 'Adreßbuch des Fürstenthum Lippe' von 1901 wird dann aber der Pächter August Heermann genannt. Kurzzeitig war der Hof auch an einen Bobe verpachtet. Ab Mitte der 1920er Jahren bis 1949 war Fritz Bünte Pächter des Hofes. 

Erwähnenswert aus dieser Zeit ist der Verkauf einer Parzelle Landes für den Bau des Salzufler Wasserwerks (Unterwüsten Nr. 104), das 1902 errichtet wurde.

Am 8. Juli 1938 starb Frau Berta Meier-Johann geb. Drake bei Ihrer Tochter in Lieme.

Auch die Tochter und  Hoferbin, Martha Wilhelmine Berta Meier-Johann, die den Pächter der Domäne Heerse, Karl Obermeyer geheiratet hatte, führte den Hof nicht in eigener Regie. 

Erst die Tochter Helene Obermeyer, die den hohen Regierungsbeamten Arthur Imker geheiratet hatte, übernahm 1949 mit ihrem Mann den Hof. Nach über 60 Jahren Verwaltung durch fremde Pächter, die nicht immer zum Wohle der Eigentümer gehandelt hatten, war ein Neuanfang schwer. Die Hilfe ihrer nahen Verwandten vom Draken-Hof in Oberwüsten erleichterte den Einstieg. Auch die Familie Siegert, die von ihrem Hof in Schlesien vertrieben worden war und im Kötterhaus wohnte, half tatkräftig mit die Landwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Kurzzeitig wurde auch der Verwalter Bosse eingestellt.

Frau Dr. Siefert (noch Gisela Imker), die Tochter von Helene und Arthur Imker und spätere Hoferbin, musste nach ihrem Medizinstudium und der Promotion noch eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvieren, um den Hof führen zu dürfen.

Ein herber Rückschlag geschah als am Sonnabend, den 7. Juni 1969 das Haupthaus in einer Stunde nach dem Brandausbruch mit vielem Inventar den Flammen zum Opfer fiel. Mit Streichhölzern spielende Kinder von vier und fünf Jahren hatten das Fachwerkhaus in Brand gesetzt. Mit Hilfe der Nachbarn konnten die 250 Hennen und 70 Jungbullen der Viehmastzucht gerettet werden. An den Platz wurde später ein modernes Wohnhaus gesetzt. Schon einige Jahre vorher war durch einen ähnlichen Anlaß eine Scheune auf dem Hof in Flammen aufgegangen.








 

Bereits 15 Minuten nach Ausbruch des Feuers war der südliche Teil des Wirtschaftsgebäudes völlig vernichtet.

 

Der erste Mähdrescher in Unterwüsten. Gemeinsam angeschafft von den Höfen Imker und Thiesmeier.

Herr Rolof Siefert, der spätere Eheman von Frau Doktor Siefert, kam als gelernter Landwirt auf den Hof und nahm die Geschicke erfolgreich in die Hand. Frau Doktor Siefert ließ sich als praktische Ärztin in Wüsten nieder. Sie arbeitete viele Jahre als 'unsere Frau Doktor' zum Segen der Wüstener Bürger.

Nach dem frühen Tod von Rolof Siefert wurde das Land und ein Teil der Gebäude an den Besitzer des Nachbarhofes Hartmut Sievert verpachtet, der die Ländereien beackert.

Frau Dr. Siefert, die jetzige Hofbesitzerin, wohnt in einem modernen Bungalow.

In den vergangenen drei Generationen wurde der Hof jeweils durch die weibliche Linie vererbt. Über Jahrhunderte trug der Hof den Namen Meier-Johann. Auch wenn ein Mann auf den Hof heiratete, so nahm er - nach lippischem Namensrecht - den Namen des Hofes an. Erst nach der 'Versteinerung' der Hausnamen trug er den Namen der Besitzer. So hieß er im Volksmund sogar Büntes-Hof nach dem Pächter und dann Imkers Hof und heute heißt er: 'Der Hof von Frau Doktor Siefert'.

Erntescenen aus den 1960er Jahren vom Hof Siefert.

Namen der Einlieger auf dem Meierhof in Hellerhausen:
Knap (1717), Schürman (1717), Wienboecker (1761),
Schalk (1765), Tielcke (1765), Göhner oo Stratemann (1809), Meier Johann (1821) Grabbe (1837), Göhner oo Sturhahn (1843), Göhner (1854), Kordes (1854), Beiner, Hahmeier (1901), Schmiedeskamp (1901-1926), Lappenbusch und Hahmeier (1926), Siegert (1946-1956) Terske und Stolle (1972)


Qellen: Mein ganz besonderer Dank gilt Frau Doktor Siefert, die mir alle Dokumente und Fotos aus ihrem Familienarchiv für diese Dokumentation zur Verfügung gestellt hat.  
  Dank an Herrn Doktor Prior, der fehlende Daten übermittelt hat.  
  Dank an Albert Siegert, der die Erntebilder beigesteuert hat.  
  Adreßbuch des Fürstenthum Lippe. Detmolder Hofbuchdruckerei. Detmold, 1901.  
  Adreßbuch des Landes Lippe. Meyersche Hofbuchhandlung (Max Staercke), Detmold, 1926.  
  Adressbuch der Stadt Bad Salzuflen 1972.  
  Darpe, Prof. Dr. Franz: Einkünfte- und Lehns-Register der Fürstabtei Herford sowie Heberollen des Stifts auf dem Berge bei Herford. (Codex Traditionum Westfalicarum IV.) Münster, 1892.  
  (der) Kinder spielten mit Streichhölzern 150 000 Mark Schaden auf dem Hof Imker. Zeitungsartikel im Westfalen-Blatt Nr. 130, Bielefeld, vom 9. Juni 1969.  
  [Lehrer Köller?]: Die Familie Meier-Johann in Hellerhausen - Unterwüsten Nr. 4 nach dem Kirchenbuche in Wüsten. Handschriftliches Manuskript, o.O., o.D.  
  Nebelsiek, Leo: Ausgrabungen in Lippe von 1933 bis 1936 unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten in Wüsten. Sonderdruck aus Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde XVI. Detmold, 1938.  
  Pölert, Otto: Wüsten. Eine Höfe- und Siedlungsgeschichte. o.O., o.D. (ca. 1960).  
  Pölert, Otto: "Hellerhausen" Aufsatz in Unsere Lippische Heimat Heimatbeilage der Lippischen Rundschau für die Kreise Detmold und Lemgo, Detmold, 1961.  
  [Pölert, Otto]. Handschriftliche Aufzeichnungen.  
  Schubert, Erwin: Zeugen aus der Vergangenheit. Ortsnamen, Torbogen- und Grabinschriften. Herausgabe zur Wüstener Kirmes am 10. Juni 1990.  
  Sensationsfund an der K 34 - Das älteste Haus Lippes liegt unter der Loosestraße. Zeitungsartikel im Westfalen-Blatt 1993, Nr. 71, Salzufler Zeitung.  
  Stöwer, Herbert [bearbeitet von]: Die ältesten lippischen Landschatzregister von 1467, 1488, 1497 und 1507. Westfälische Schatzungs- und Steuerregister Band 7. Aschendorff Münster, 2001.  
  Stöwer, Herbert und Fritz Verdenhalven: Salbücher der Grafschaft Lippe von 1614 bis etwa 1620. Lippische Geschichtsquellen. Münster in Westfalen, 1969.  
  Verdenhalven, Fritz (†) und Hanns-Peter Fink: Das Diarium Lippiacum des Amtmannes Anton Heinrich Küster. Detmold 1998 (Lippische Geschichtsquellen Band 22).  
  Die Wüstener Kirchenbücher im Archiv der Lippischen Landeskirche in Detmold.