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Dipl. Landwirt Gustav Schalk (1874 – 1930)

Besitzung des Dipl. Landwirt Gustav Schalk, Unterwüsten Nr. 8, Sundern.1

Gustav Schalk2

     Simon Albrecht Gustav Schalk wurde am 31. Juli 1874 auf Schalks Hof in Unterwüsten Nr. 8 im Ortsteil Sundern als erster Sohn des Hofbesitzers Gustav Adolph Schalk und seiner Ehefrau Pauline Louise Auguste geb. Klocke, die aus Röntorf im Kirchspiel Talle stammte, geboren. Sie waren die Ehe am 1. Juli 1870 eingegangen. Zwei Schwestern, Wilhelmine Eleonore Auguste 1871 und Emilie Pauline 1871 wurden vor ihm geboren.
     Aus seiner frühen Schulzeit ist uns nur wenig überliefert. Zu Beginn ging er zur Unterwüstener Küsterschule. Danach besuchte er wahrscheinlich ein Gymnasium in einer der umliegenden Städte. Darauf deutet auch hin, dass in den Wüstener Kirchenbüchern seine Konfirmation nicht verzeichnet ist.
     Als ältester Sohn war er Anerbe und musste nach dem frühen Tod seines Vaters, der schon mit 36 Jahren am 19. September 1881 an Nervenfieber starb, seine Mutter in der Führung des Hofes unterstützen. In den Sommermonaten arbeitete er auf dem Hof. In den Wintermonaten studierte er an der Landwirtschaftsschule in Kassel, wo er  mit dem Diplom Landwirt abschloss.  
     Gustav Schalk war ein fortschrittlicher Landwirt, ein Tüftler und Erfinder. Auf seinem Hof ließ er den ersten Futtersilo in der Gemeinde bauen. Ständig verbesserte er die Wirksamkeit der Ackergeräte. Schmiedemeister Hense war ihm dabei Diskussionspartner und  handwerklicher Fachmann, der seine Ideen in die Praxis umsetzte. Der geschützte Schalk's Kartoffelhäufelpflug "Fortschritt" wurde vielfach hergestellt und deutschlandweit eingesetzt. Selbst nach Südafrika soll ein Pflug von ihm geliefert worden sein.

1912, die Landtagsabgeordneten – unter ihnen auch Gustav Schalk –
und die Fürstenfamilie vor dem Lippischen Landtag in Detmold.4

     
     Durch Heirat war er mit Wilhelm Schemmel, dem  Landtagsabgeordneten und dem berühm-testen unter den Führern der "Konservativen Partei im Fürstentum Lippe" verwandt. Schemmel, sein Nachbar, Besitzer des Hofes Unterwüsten Nr. 6, wurde sein politischer Ziehvater. Als dieser im Jahre 1909 starb, begann der politische Aufstieg von Gustav Schalk.

     "Im Jahre 1912 trat er in den Landtag ein. Die Klasse Ia des landwirtschaftlichen Großgrund-besitzes3 erkor ihn trotz seines relativ jungen Alters zu ihrem Vertreter.

Grabmal von Gustav Schalk im Stil der
Zeit auf dem Wüstener Friedhof.7

     





     In dem von scharfen sachlichen Gegensätzen zerrissenen Landtag – Stadt und Land, Konservative und Liberale standen sich gegenüber – gehörte Gustav Schalk zu den Versöhnlichen. Persönliche und sachliche Gegensätze suchte er auszugleichen. Der bald darauf ausbrechende Krieg bestärkte ihn in dem auf Ausgleich gerichteten Streben."5 Nach dem Zusammenbruch und der November-Revolution ( 9. November 1918) verlor er sein Landtagsmandat. Er zog sich auf den elterlichen Hof zurück. Aber schon bald fand er in der sich im Lippischen Freistaat neu bildenden konservativen Landvolk- und Bauernbewegung eine neue politische Heimat.

Er wurzelte im Bauerntum, dessen Interessen er vertrat. Der Landwirtschaft die Grundlage der Existenz zu erhalten, wurde ihm zur Lebensaufgabe. Gekrönt wurde diese unermüdliche Arbeit durch die Wahl zum Präsidenten der Landwirtschaftskammer im Juni 1930.

     Aber nicht nur der großen Politik hatte er sich verschrieben. Lange Jahre war er im Wüstener Kirchenvorstand, Kirchenältester und auch Mitglied der Synode der Lippischen Landeskirche. Über zwei Jahrzehnte war er Vorsteher (Bürgermeister) der selbständigen Unterwüstener Gemeinde,6 in der er segensreich wirkte.

     Ein tragischer Unglücksfall riß ihn am 27. November 1930 jäh aus seiner Familie und seinem Arbeitsleben. Er muß, so hat man damals gemutmaßt, morgens gegen 10 Uhr in einen auf seinem Hof gelegenen Teich gerutscht sein. Bei dem Versuch sich aus dem Wasser zu befreien, hat er, der schon seit Jahren mit Herzbeschwerden zu kämpfen hatte, einen Schlaganfall erlitten. Gegen Mittag fanden ihn seine Angehörigen tot am Teichrand. Wohl eintausend Trauergäste haben ihn auf seinem letzten Weg zum Wüstener Friedhof begleitet. 


Quellen: 1 Auszug aus einer Postkarte aus den 1920er Jahren. (Sammlung Willi Hense).
  2 Foto aus: Lippischer Kalender 1932.
  3 Drei-Klassen-Wahlrecht: Die Wähler wurden dabei nach ihrem direkten Steueraufkommen in drei Klassen eingeteilt und mussten das 24. Lebensjahr vollendet haben. Die drei Klassen errechneten sich aus der direkten Steuerleistung, so dass diese jeweils ein Drittel des Steueraufkommens ausmachten. Die erste Klasse umfasste die Höchstbesteuerten, die zweite, die mit weniger hohem Einkommen und der dritten Klasse gehörten diejenigen an, welche wenig oder gar keine Steuern zu zahlen hatten. 1918 wurde es durch das allgemeine und freie Wahlrecht abgelöst, in der jeder wahlberechtigte Bürger eine Stimme hat.
  4 Foto im Stadtarchiv Bad Saltzuflen. Nachlaß Schalk.
  5 Nach: Gustav Schalk-Sundern †. Lippische Landeszeitung, 28. November 1930.
  6 Erst 1939 wurden Unter- und Oberwüsten zu einer Gemeinde Wüsten vereinigt.
  7 Grabmahl von Gustav Schalk. Foto Rainer Mewes
  8 Nachruf. Lippische Landeszeitung. 4. Dezember 1930.